Angela Fischer

geboren 1991 in Wien 

HTL  Mödling (Abt. für Möbel & Innenausbau)

Schweiss-Kurs : MIG/ MAG/ Elektrode- Schweisstechnische Zentralanstalt Wien

Studierte von Oktober 2016 bis März 2018 an der Akademie der bildenden Künste Wien- Bildende Kunst im Fachbereich Textuelle Bildhauerei bei Univ. Prof. Mag. Heimo Zobernig

Studiert seit März 2018 an der Akademie der bildenden Künste Wien- Bildende Kunst im Fachbereich Abstrakte Malerei bei Univ. Prof. Mag. Erwin Bohatsch

Studiert seit Oktober 2019 an der Akademie der Bildenden Künste Wien-Kunst und kulturwissenschaftliche Studien.

–––

Angela Fischer
*1991, Wien. Lebt und arbeitet in Wien.

Es wäre nicht ganz richtig, Angela Fischers Bilder und Skulpturen als kinetische Kunst zu bezeichnen. Und doch scheinen sie sich zunehmend in Bewegung zu setzen, wenn man sie betrachtet. Denn die Künstlerin, die zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Publikation gerade mal im ersten Jahr an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Heimo Zobernig studiert, gestaltet die Oberflächen ihrer Werke so, dass sie flimmern und schimmern. Bevorzugt verwendet sie dafür Autolack. Diesen trägt sie auf ihren Objekten auf ganz besondere Weise auf: Stellen, die aufgrund ihrer räumlichen Lage eigentlich dunkler sein müssten, hellt sie auf; so entstehen illusionistische Effekte, die sich stetig ändern, wenn das Publikum die Skulptur umschreitet. Die Arbeiten der Künstlerin lassen sich dementsprechend visuell nicht so einfach fassen. „In der Konfrontation des Werkes ist der Betrachter aktiv. Verändert er seine Position, verändert er den Winkel, seine Sichtweise, und es eröffnen sich dem Betrachter neue ‚Layers‘, neue Perspektiven, neue Sichtweisen“, so die Künstlerin. „Denn jede visuelle Information wird in räumlicher Hinsicht mehrdeutig wahrgenommen. Und diese Vielschichtigkeit der Wahrnehmung finde ich sehr spannend, sie lässt sich unendlich weiterentwickeln.“
In ihrem Bild Untitled (2016) wird die Rasterform zur Trägerin dieser Flimmereffekte. Fischer erzeugt diese durch die Kombination von Autolack der Farbe Blaumetallic mit weißem Technopolymer, also einer Kunststofffarbe. Überhaupt hat sie eine Vorliebe für technologische Materialien, verwendet auch gerne Carbon, wie es etwa in der Raumfahrt oder im Schiffsbau häufig zum Einsatz kommt. „Ich versuche, zeitgenössische Materialien zeitgenössisch umzusetzen“, sagt sie. Die Titel ihrer Arbeiten (wie etwa Investiere in Geschwindigkeit, 2016, oder auch Rasender Stillstand, 2016) bezieht sie aus der Lektüre von Literatur, die für ihre Kunst bedeutsam ist – etwa von Paul Virilio oder Hartmut Rosa, die sich immer wieder mit der Zeit und ihrer (gesellschaftlichen) Wahrnehmung befasst haben.
Die Grundform der Skulpturen besteht dabei aus einem weitaus traditionelleren Material, nämlich Holz. „Wenn ich einen traditionellen Werkstoff mit einem zeitgenössischen kombiniere, dann stoßen Vergangenheit und Zukunft aufeinander“, so Fischer. Es sind Formen, die wie zufällig entstanden wirken und in ihrer Materialität und Oberflächenbeschaffenheit dennoch perfekt erscheinen.

1 E-Mail der Künstlerin an die Autorin, 30.11.2017.
2 Telefonat der Künstlerin mit der Autorin, 30.11.2017.
3 Ebd.

Text aus Ephemeral Space Sammlung LENIKUS herausgegeben von Angela Akbari 

–––

LOB FRAGILER ZEITSTRUKTUR

Zu Angela Fischers textuellen Objekten

Der Metadiskurs, den Angela Fischer mit ihren aus Karbon, Autolack und Epoxidharz konzipierten Skulpturen und Bildobjekten, die zum Teil organisches Fundmaterial einschließen, für uns eröffnet, lenkt das Denken in virulente Fragen zeitlicher Tiefenstrukturen unserer atemlosen Nachmoderne. Die ästhetische Wahrnehmung zwischen dem Selbst und dem Kunstobjekt führt uns auf eine politisch-soziologische Ebene und entlarvt die Angstvisionen unserer Gegenwart als Tempoideologien. Der stätige Steigerungszwang durch technischen Fortschritt bedroht unsere Arbeit wie unsere Identität und lässt bewusst erlebte Gegenwart schrumpfen, ein Gefühl der Entfremdung von der Welt tritt ein. Fischers Kritik an der „liquiden Modernität“ (Zygmunt Bauman) und Verlusten in der globalen sozialen Raserei wird durch die gewählten Materialien sichtbar gemacht. Zudem ist ihr künstlerischer Arbeitsprozess von der Auffindung des Wurzelholzes, seiner Transferierung ins Atelier, Bearbeitung und schließlich wesentlichen Behandlung durch händischen Auftrag von Autolack, ein Widerstand gegen das Schreckensszenario vom Verlust der Kunst in Immaterialität. Brüche und Fehler im Holz durch langsames Wachstum und Verletzungsspuren werden durch das Industriematerial geglättet um scheinbar dem vereinheitlicht dynamischen Lebensstil heute zu entsprechen. Der Effekt der Konservierung der „Naturalia“ birgt den Widerspruch zwischen zeitlicher Erstarrung unter glänzender Oberfläche und einer Molekülmasse oder Folie mit dem Fortschritt entsprechender Flexibilität und changierendem Glanz. Doch die Sehnsucht nach dem Ewigen erfüllt sich nicht. Mit Fischers Transformierung erfährt die menschliche Ordnungsstruktur eine Infragestellung, es bleibt jedoch das hochästhetische Lob des Fragilen.

Brigitte Borchhardt-Birbaumer

–––

AUSSTELLUNGEN / SAMMLUNGEN

09/2020 Sammlung URBAN 3340 Waidhofen/Ybbs Weyrerstrasse 22

08/2020 Galerie MUSASHI Ginza Tokyo Japan

03/2020 Ausstellung im Hochhaus Herrengasse 1010 Wien

01/2020 Akademie der bildenden Künste 1200 Wien Engerthstraße 119

05/2019 Sammlung URBAN 3340 Waidhofen/Ybbs Weyrerstrasse 22

04/2019 RADO 1010 Wien Kärntnerstrasse 18

01/2019 Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste 1060 Wien Lehargasse 8

01/2019 Akademie der bildenden Künste 1200 Wien Engerthstraße 119

12/2018 SAMMLUNG LENIKUS 1010 Wien Parkring 10

01/2018 Akademie der bildenden Künste 1020 Wien Kurzbauergasse 9

11/2017 Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste 1060 Wien Lehargasse 8

09/2017 Schauraum Karlsplatz 1040 Wien

08/2017 Schauraum Volkstheater 1070 Wien

01/2017 Akademie der bildenden Künste 1020 Wien Kurzbauergasse 9

07/2016 Galerie Challery 1010 Wien Kärntner Ring 11-13

11/2015 Galerie Katharina Maria Raab Berlin Deutschland

11/2015 Vok Dams Atelierhaus Wuppertal Deutschland

09/2015 Galerie Challery 1070 Wien Gutenberggasse 1

06/2015 Galerie Challery 1010 Wien Schwertgasse 4

Angela Fischer

born 1991 in Vienna

HTL Mödling (Dept. for Furniture & Interior Design)

Welding course: MIG/ MAG/ Electrode – Welding Technology Central Institute Vienna

Studies since October 2016 to March 2018 at the Academy of Fine Arts Vienna- Visual Arts in the Department of Textual Sculpture at Univ. Prof. Mag. Heimo Zobernig

Studies since March 2018 at the Academy of Fine Arts Vienna – Visual Arts in the Department of Abstract Painting at Univ. Prof. Mag. Erwin Bohatsch

Studies since October 2019 at the Academy of Fine Arts Vienna-Arts and cultural studies.

–––

Angela Fischer
*1991, Vienna. Lives and works in Vienna.

It wouldn’t be entirely correct to describe Angela Fischer’s paintings and sculptures as kinetic art. And yet when one observes them they give the impression of moving more and more. For the artist, who at the time of writing is in her first year as a student of Heimo Zobernig at Vienna’s Academy of Fine Arts, forms the surfaces of her works in such a way that they glimmer and glow. Her preferred medium for achieving this is car paint which she applies to her objects in a very special way: she lightens areas that should actually be darker as a result of their position, creating illusionistic effects that constantly change as the public move around the sculpture. Accordingly, the works of the artist are not so easy to capture visually. ‘In confronting the work the observer is active. If he changes his position he changes the angle, his viewpoint, opening himself up to new “layers”, new perspectives, new viewpoints,’ she says. ‘Because, in the spatial sense, every piece of visual information is seen ambiguously. And I find this perceptual complexity highly intriguing, it can be developed infinitely.’
In her picture Untitled (2016) the grid becomes the bearer of this glimmering effect. Fischer creates this by combining blue metallic car paint with white technopolymer, a synthetic paint. She has a general preference for technological materials and also enjoys using carbon which is, for example, often used in space flight or shipbuilding. ‘I try to use contemporary materials in a contemporary way,’ she says. She takes the titles of her works (such as Investiere in Geschwindigkeit, 2016, or Rasender Stillstand, 2016) from literature that is important for her art – from books by writers such as Paul Virilio or Hartmut Rosa who have repeatedly addressed the notion – and the (social) perception – of time.
The basic forms of her sculptures are made from a far more traditional material –wood. ‘When I combine traditional and contemporary materials the past and the future collide,’ says Fischer. This results in forms which emerge as if by coincidence and yet which in their materiality and surface finish appear perfect.

1 Email from the artist to the author, 30 November 2017.
2 Telephone call between the artist and the author, 30 November 2017.
3 Ibid.

Text aus Ephemeral Space Sammlung LENIKUS herausgegeben von Angela Akbari 

–––

LOB FRAGILER TIME STRUCTURE

On Angela Fischer’s textual objects

The metadiscourse, which Angela Fischer opens to us with her sculptures and picture objects conceived of carbon, car paint and epoxy resin, which partly include organic find material, directs thinking into virulent questions of temporal depth structures of our breathless postmodernism. The aesthetic perception between the self and the object of art leads us on a political-sociological level and exposes the anxiety visions of our present as tempo ideologies. The constant need to increase through technical progress threatens our work as well as our identity and causes consciously experienced present shrink, a feeling of alienation from the world occurs. Fischer’s critique of „liquid modernity“ (Zygmunt Bauman) and losses in the global social frenzy is made visible by the materials chosen. In addition, her artistic work process from the discovery of the root wood, its transfer to the studio, editing and finally essential treatment by hand painting by car paint, a resistance to the horror scenario of the loss of art in immateriality. Fractures and defects in the wood through slow growth and signs of injury are smoothed out by the industrial material to seemingly meet the unified dynamic lifestyle today. The effect of preserving the „naturalia“ holds the contradiction between temporal solidification under glossy surface and a molecular mass or foil with the progress of appropriate flexibility and iridescent sheen. But the longing for the Eternal is not fulfilled. With Fischer’s transformation, the structure of human order is challenged, but the highly aesthetic praise of the fragile remains.

Brigitte Borchhardt-Birbaumer

–––

EXHIBITIONS / COLLECTIONS

09/2020 Collection URBAN 3340 Waidhofen/Ybbs Weyrerstrasse 22

08/2020 Galerie MUSASHI Ginza Tokyo Japan

03/2020 Exhibition at skyscraper Herrengasse 1010 Vienna

01/2020 Academy of Fine Arts 1200 Vienna Engerthstraße 119

05/2019 Collection URBAN 3340 Waidhofen / Ybbs Weyrerstrasse 22 

04/2019 RADO 1010 Vienna Kärntnerstrasse 18 

01/2019 Studio building of the Academy of Fine Arts 1060 Vienna Lehargasse 8 

01/2019 Academy of Fine Arts 1200 Vienna Engerthstraße 119

12/2018 COLLECTION LENIKUS 1010 Vienna Parkring 10

01/2018 Academy of Fine Arts 1020 Vienna Kurzbauergasse 9

11/2017 Studio building of the Academy of Fine Arts 1060 Vienna Lehargasse 8

09/2017 Showroom Karlsplatz 1040 Vienna

08/2017 Showroom Volkstheater 1070 Vienna

01/2017 Academy of Fine Arts 1020 Vienna Kurzbauergasse 9

07/2016 Gallery Challery 1010 Vienna Kärntner Ring 11-13

11/2015 Gallery Katharina Maria Raab Berlin Germany

11/2015 Vok Dams Atelierhaus Wuppertal Germany

09/2015 Gallery Challery 1070 Vienna Gutenberggasse 1

06/2015 Gallery Challery 1010 Vienna Schwertgasse 4