LOB FRAGILER ZEITSTRUKTUR

Zu Angela Fischers textuellen Objekten

Der Metadiskurs, den Angela Fischer mit ihren aus Karbon, Autolack und Epoxidharz konzipierten Skulpturen und Bildobjekten, die zum Teil organisches Fundmaterial einschließen, für uns eröffnet, lenkt das Denken in virulente Fragen zeitlicher Tiefenstrukturen unserer atemlosen Nachmoderne. Die ästhetische Wahrnehmung zwischen dem Selbst und dem Kunstobjekt führt uns auf eine politisch-soziologische Ebene und entlarvt die Angstvisionen unserer Gegenwart als Tempoideologien. Der stätige Steigerungszwang durch technischen Fortschritt bedroht unsere Arbeit wie unsere Identität und lässt bewusst erlebte Gegenwart schrumpfen, ein Gefühl der Entfremdung von der Welt tritt ein. Fischers Kritik an der „liquiden Modernität“ (Zygmunt Bauman) und Verlusten in der globalen sozialen Raserei wird durch die gewählten Materialien sichtbar gemacht. Zudem ist ihr künstlerischer Arbeitsprozess von der Auffindung des Wurzelholzes, seiner Transferierung ins Atelier, Bearbeitung und schließlich wesentlichen Behandlung durch händischen Auftrag von Autolack, ein Widerstand gegen das Schreckensszenario vom Verlust der Kunst in Immaterialität. Brüche und Fehler im Holz durch langsames Wachstum und Verletzungsspuren werden durch das Industriematerial geglättet um scheinbar dem vereinheitlicht dynamischen Lebensstil heute zu entsprechen. Der Effekt der Konservierung der „Naturalia“ birgt den Widerspruch zwischen zeitlicher Erstarrung unter glänzender Oberfläche und einer Molekülmasse oder Folie mit dem Fortschritt entsprechender Flexibilität und changierendem Glanz. Doch die Sehnsucht nach dem Ewigen erfüllt sich nicht. Mit Fischers Transformierung erfährt die menschliche Ordnungsstruktur eine Infragestellung, es bleibt jedoch das hochästhetische Lob des Fragilen.

Brigitte Borchhardt-Birbaumer

 

LOB FRAGILER TIME STRUCTURE

On Angela Fischer’s textual objects

The metadiscourse, which Angela Fischer opens to us with her sculptures and picture objects conceived of carbon, car paint and epoxy resin, which partly include organic find material, directs thinking into virulent questions of temporal depth structures of our breathless postmodernism. The aesthetic perception between the self and the object of art leads us on a political-sociological level and exposes the anxiety visions of our present as tempo ideologies. The constant need to increase through technical progress threatens our work as well as our identity and causes consciously experienced present shrink, a feeling of alienation from the world occurs. Fischer’s critique of „liquid modernity“ (Zygmunt Bauman) and losses in the global social frenzy is made visible by the materials chosen. In addition, her artistic work process from the discovery of the root wood, its transfer to the studio, editing and finally essential treatment by hand painting by car paint, a resistance to the horror scenario of the loss of art in immateriality. Fractures and defects in the wood through slow growth and signs of injury are smoothed out by the industrial material to seemingly meet the unified dynamic lifestyle today. The effect of preserving the „naturalia“ holds the contradiction between temporal solidification under glossy surface and a molecular mass or foil with the progress of appropriate flexibility and iridescent sheen. But the longing for the Eternal is not fulfilled. With Fischer’s transformation, the structure of human order is challenged, but the highly aesthetic praise of the fragile remains.

Brigitte Borchhardt-Birbaumer